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Grundschulkinder in die Sportvereine | „Bock auf Bewegung“ entwickelt sich zum Renner | | | | Niemand hätte zu Beginn mit einem solch großen Erfolg des Projekts „Bock auf Bewegung“ gerechnet. Die Aktion startete Anfang 2009. Nun ist das ganze aber zur großen Erfolgsgeschichte geworden. | | Die Idee kam vom Kinderschutzbund Marburg, ist aber nicht ganz neu. In Sachsen findet man bereits ähnliche Projekte. Ziel sollte es sein, Kinder aus allen Grundschulklassen in die Sportvereine zu bringen. Dabei wird für jedes Kind, bei Neueintritt in einen Verein, im ersten Jahr der Mitgliedsbeitrag übernommen. Als Sponsor konnte man die Sparda-Bank Hessen gewinnen, die für diese Aktion 5.000 € zur Verfügung stellte. Die so genannten „Gutscheine“ wurden am Ende des vergangen Jahres über das Staatliche Schulamt an alle Grundschulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf verteilt. Über die Schulen gelangten sie schließlich zu den Kindern. Das Prozedere läuft anschließend so, dass die Erziehungsberechtigten den ersten Teil des Gutscheins ausfüllen und dann an den Verein weiterreichen. Dieser trägt dann den Mitgliedsbeitrag und seine Bankverbindung ein schickt das ganze an den Sportkreis Marburg weiter. Dieser überweist dann den Jahresbeitrag an den Verein. | | Dr. Franz Nitsch, Vorsitzender im Sportkreis Marburg, rechnete mit ca. 30 Gutscheinen, die durch die Kinder eingelöst würden. Bei den Jahresbeiträgen erwartete er eine Spanne, die sich im Bereich von 30 -50 € pro Kind bewegt. Mit einem solch großen Run, wie er sich anschließend entwickelte, hatte er aber auch niemand von den übrigen Beteiligten gerechnet. Bereits im Februar konnte vermeldet werden, dass die Finanzmittel aufgebraucht waren. Nach Gesprächen mit dem Sparda Bank ist es gelungen, die Summe auf 10.000 € zu verdoppeln. | | Bei einer Pressekonferenz am 27.03.2009 wurden nun die aktuellen Daten vorgesellt. Alle Beteiligten zeigten sich hoch erfreut über den Erfolg. So führte Bernhard Drude vom Staatlichen Schulamt aus, dass Gesundheit und Sport auch ein immer wichtigerer Faktor im Bereich der Schulen wird. Daher sei es wichtig, dass sich die Kinder neben der Schule in den Vereinen austoben und bewegen könnten Ruth Siebke-Richter vom Kinderschutzbund fügte weiterhin hinzu, dass man den Erfolg der Aktion auch durchaus unter dem Gesichtspunkte der Gewaltprävention sehen könne. Zudem würden Kinder aus allen Schichten der Gesellschaft erfasst und Familien aus sozial schwächeren Bereichen nicht ausgegrenzt. | | Bis zu diesem Zeitpunkt ist es gelungen,132 Kinder aus dem gesamten Landkreis Marburg- Biedenkopf in einen Sportverein zu bringen und den Jahresbeitrag für jedes Kind zu übernehmen. Hierbei beläuft sich die finanzielle bereits geleistete Unterstützung für die Grundschulkinder jetzt schon auf ca. 9.000 €. Dabei haben sich einige sehr interessante Aspekte gezeigt. Viele Kinder aus dem Bereich des Marburger Hinterlandes nahmen erst gar nicht an der Aktion teil, weil Kinder in den Vereinen gar keinen Beitrag zahlen. Andere Vereine erheben hingegen sehr hohe Beiträge bis an die Grenze von 200 € im Jahr. Franz Nitsch griff dies bei der Presskonferenz auf und führte hierzu aus: „Das Kinder gar keine Beiträge zahlen geht nicht in Ordnung, da in den Vereinen gute Arbeit geleistet wird. Diese muss auch anständig bezahlt werden. Beiträge über 80 € sind aber ebenfalls nicht in Ordnung, da sich dies viele Menschen nicht leisten können. Damit werden Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen einfach ausgegrenzt. Die hohen Beiträge kommen heute zum Teil dadurch zustande, weil die Kommunen ihre Sportstätten nicht mehr kostenlos an die Vereine überlassen. Dies muss aber gewährleistet werden, damit auch jeder über einen fairen Beitrag in einem Sportverein Mitglied sein kann“. Erst durch die Aktion „Bock auf Bewegung“ wird es einigen möglich, diese hohen Beiträge zu zahlen. | | In der weiteren Auswertung wurde darauf verwiesen, dass die Anzahl von Jungen und Mädchen in etwa gleich hoch ist. Auffällig ist aber, dass es scheinbar gelungen ist, viele Kinder, die die erste Schulklasse besuchen, zu erreicht und so für den Sport gewonnen werden konnten . Nitsch weiter: „ Was meinen sie, welche Sportarten am meisten Zulauf bei dieser Aktion haben“, fragte er in die Runde. Die meisten der anwesenden tippten auf den Bereich Fußball. Dies ist aber nicht der Fall. Über den größten Zuwachs können sich die Abteilungen Turnen und Tischtennis freuen. Bei einem Verein konnte eine ganze Kinderabteilung wieder belebt werden; hier tummeln sich fortan 15 Grundschulkinder als Neumitglieder im Verein an der Platte. Über mehr oder minder großen Zuwachs freuen sich inzwischen ca. 40 Vereine im gesamten Kreisgebiet. | | Ein Ende der Aktion ist wohl kaum abzusehen. Dem Sportkreis liegen bereits weitere Anfragen von Interessenten vor. Die Beteiligten äußerten sich positiv, diese oder ähnliche Projekte auch in Zukunft durchführen zu wollen. Nitsch möchte das ganze zudem bei Landessportbund in Frankfurt vorstellen, da von dieser Seite ebenfalls Interesse an der Aktion gezeigt wurde. Bleibt zu hoffen, dass es sich bei „Bock auf Bewegung“ nicht um einen Eintagsfliege handelt und ähnliche Aktionen in Zukunft mit gleicher Tatkraft auch in anderen Sportkreisen durchgeführt werden können. | Udo Rzepka | | | 
| v. l. : Frau Siebke-Richter (Kinderschutzbund), Frau Oberüber (Sparda-Bank Hessen), Dr. Nitsch (Sportkreis Marburg), Herr Drude (Staatl. Schulamt) | | | | Aktuelle Liste der Schulen und Vereine im PDF-Format | | | | |
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