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Böse Überraschung an der Haustür
 
Karl-Heinz M.* war mehr als erstaunt, als ihm der Briefträger einen Mahnbescheid über 3.500€ überreichte. „Widerspruch oder Zahlung innerhalb von 2 Wochen“ lautete die Aufforderung darin – beantragt gegen seinen Verein, dessen erster Vorsitzender er seit mehr als 15 Jahren war. „Das kann sich doch nur um ein Missverständnis handeln“, murmelte er seiner Frau zu und setzte sich sofort ans Telefon, um die Sache zu klären.
In den folgenden Stunden und Tagen mussten Hubert S. und seine schnell herbei gerufenen Vorstandskollegen jedoch erkennen, dass es sich bei dem Mahnbescheid nur um die Spitze eines Eisberges handelte und dieser nur eine der Folgen von monate-, ja sogar jahrelangen Geldunterschlagungen durch den 38jährigen Kassenwart Jörg B. war. Jörg hatte nicht nur bar bezahlte Jahresbeiträge und Aufnahmegebühren in seine eigene Tasche fließen lassen, sondern sogar Rechnungen für Computerzubehör, Sportbekleidung und Bewirtungen gefälscht, um sie dem Verein zur Erstattung vorzulegen. Auch hatte er sich für tatsächlich bestellte Ware Kredite von den Lieferfirmen einräumen lassen, weil „der kleine Verein im Moment angeblich knapp bei Kasse wäre“.

Nach der Prüfung sämtlicher Kassenbücher, Belege und Geschäftsvorgänge stand fest, dass in der Vereinskasse ein fünfstelliger Betrag fehlte, womit der gemeinnützige Verein vor der Frage stand, ob nicht sogar Insolvenz anzumelden war.

Man entschloss sich zunächst, gegen den Kassierer eine Strafanzeige wegen Untreue, Betrugs und Unterschlagung zu erstatten. Der Beschuldigte zeigte sich geständig und beteuerte, dass er durch seine Arbeitslosigkeit und die Ehescheidung in finanzielle Nöte geraten war. Dem Verein habe er nie schaden wollen - schließlich habe sein Versuch, die immer größer werdenden Löcher durch Glücksspiel zu stopfen, sogar zu einer Verschlechterung seiner finanziellen Situation geführt. Zurückzahlen könne er das unterschlagene Geld nicht.

Der sofort suspendierte Kassierer unterzeichnete ein notarielles Schuldanerkenntnis. Wirklich geholfen war dem Verein im Augenblick damit allerdings nicht, da wegen der hohen anderweitigen Verschuldung des Kassenwarts die Chance, das Geld innerhalb kurzer Zeit zurückzubekommen, denkbar gering war.

Die Rettung des Vereins wurde letztendlich erst möglich, weil für den SV im Rahmen seiner Mitgliedschaft im lsb h u. a. eine Vertrauensschadenversicherung bei der ARAG Sportversicherung bestand. Sie ersetzte dem stark angeschlagenen Verein schließlich gegen Abtretung der Ansprüche den größten Teil des entstandenen Schadens und sicherte ihm damit den Fortbestand.

Unmittelbar darauf wählte der Verein in einer außerordentlichen und lebhaften Mitgliederversammlung zwei neue Kassenprüfer, die die Geldgeschäfte fortan in doppelter Kontrolle steuerten und überwachten.

*Namen von der Redaktion geändert

Quelle: aragvid-arag 12/09

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